Geschäftsmodelle von Suchmaschinen

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Als Grundlage für eine Analyse von Geschäftsmodellen von Suchmaschinen soll hier das 4-C-Net-Business-Model nach Wirtz (2001) dienen. Dieses Modell ist einerseits sehr umfassend und anderseits grenzt es die verschiedenen Bereiche gut voneinander ab, so dass es sich als Ausgangspunkt solch einer Analyse gut eignet. Bei diesem Modell werden vier Geschäftsmodelltypen nach dem Kriterium ihres Leistungsangebotes unterschieden:

Geschäftsmodelle nach Wirtz: 4-C-Net-Business-Modell

  • Content: Kompilierung (Packaging), Darstellung und Bereitstellung von eigenen Inhaltenauf einer eigenen Plattform
  • Commerce: Anbahnung,Aushandlung und/oder Abwicklung von Geschäftstransaktionen
  • Context: Klassifikation undSystematisierung von im Internet verfügbaren Informationen
  • Connection: Herstellung der Möglichkeit eines Informationsaustausches in Netzwerken

Quelle: Wirtz, B. (2001): „Electronic Business“, Wiesbaden, S.218ff.

Die einzelnen Geschäftsmodelltypen können noch weiter differenziert werden und bilden weitere Unterkategorien. Hier soll jedoch nur ein Überblick dargestellt werden. Für eine differenziertere Darstellung siehe: Wirtz, B.(2001):“Electronic Business“, Wiesbaden.

Geschäftsmodell von Suchmaschinen

Dieses Modell lässt sich auf die Suchmaschinen übertragen - hier soll es am Beispiel Yahoo verdeutlicht werden: Yahoo startete wie viele andere Unternehmen als so genannter Pure Player im Internet, d.h. als Anbieter einer einzigen Dienstleistung, nämlich als reine Suchmaschine. Mittlerweile wurde das Angebot jedoch so weit ausgebaut, dass alle vier Geschäftsmodelltypen vertreten sind:

  • Context:

Eines der Kernangebote von Yahoo ist die Suchmaschine, womit die Suche und Orientierung im Internet ermöglicht wird. Diese Dienstleistung lässt sich dem Geschäftsmodelltyp Context zuordnen. Auch das Angebot eines Web-Verzeichnisses von Yahoo zählt zu dem Bereich Context.

  • Content:

Der Geschäftsmodelltyp Content ist bei Yahoo durch das Angebot von Inhalten aus den verschiedensten Interessengebieten vertreten: es können sowohl Nachrichten als auch Inhalte aus den Bereichen Sport, Lifestyle, Unterhaltung oder Spiele abgerufen werden.

  • Commerce:

Das Geschäftsfeld Commerce ist bei Yahoo insofern implementiert, dass man beispielsweise unter Yahoo-Shopping eine Auflistung zahlreicher Produkt- und Dienstleistungsangeboten aus den verschiedensten Bereichen findet. Somit ist dieser Geschäftsmodelltyp bei Yahoo im Sinne einer Anbahnung und teilweise auch Abwicklung von Geschäftstransaktionen realisiert.

  • Connection:

Die Umsetzung des Geschäftsmodelltyps Connection ist bei Yahoo einerseits durch den Yahoo-Messenger, als auch mit Yahoo-Clever und einem Chat gegeben. Alle drei Angebote stellen die Möglichkeit eines kommunikativen Austausches her. Bei Yahoo-Messenger kann dies per Textnachrichten oder Internettelefonie geschehen; im Yahoo-Chat kann sich in Echtzeit zu bestimmten Themen ausgetauscht werden und Yahoo-Clever kann man sich zu bestimmten Fragen austauschen, sowie Tipps und Ratschläge erhalten.

Erlösmodell

Die meisten Erlöse bei den Geschäftsmodellen von Suchmaschinen sind indirekte Erlöse, die über Werbung eingenommen werden. Auch Yahoo erzielt so den größten Anteil seines Gewinnes: über vier Fünftel des Erlöses stammen aus Werbeeinnahmen. [1]

Daher ist die Frage interessant, was Suchmaschinen als Werbepartner so interessant macht. Einerseits werden sie häufig frequentiert oder sind gar als Startseite festgelegt, da bei vielen Internetaktivitäten eine Suche nötig ist. Andererseits rührt ihre Attraktivität für den Werbemarkt auch davon, dass hier Werbung viel gezielter eingesetzt werden kann durch die Möglichkeit der kontextabhängig eingeblendeten Werbung. Yahoo ermöglicht mit seinem Angebot "Yahoo Search Marketing" Unternehmen eine Anzeige schalten und dabei bestimmte Keywords festlegen, in deren Zusammenhang das Unternehmen gefunden werden möchte. Gibt ein Nutzer dieses Schlagwort ein, kann er in der rechten Spalte neben den Suchergebnissen entsprechende Anzeigen dazu finden. Gezahlt wird hier meist nach der Pay-per-Click-Methode, d.h. man zahlt nicht für das Einblenden der Anzeige, sondern pro tatsächlichem Klick auf die Anzeige. Durch das Betreiben dieses Suchmaschinenmarketings können Unternehmen ihre Werbung gezielt auf Kunden mit bestimmten Suchanfragen richten und somit selbst besser gefunden werden.

In einer von TNS Infratest durchgeführten Studie, dem Digital Life Report 2006, gaben 68% der befragten Internetnutzer an gezielt Websites für ihre Freizeitbeschäftigungen und Hobbys zu besuchen, 58% sagten, dass das Internet eine bedeutende Entscheidungsgrundlage sei für Investitionen und Entscheidungen finanzieller Art und 54% sehen das Internet beim Autokauf als wichtigstes Informationsmedium an. Außerdem ließ sich feststellen, dass Verbraucher die Suchmaschinen bei der Hälfte aller Online-Käufe zur vorherigen Recherche und Entscheidungsfindung benutzen. [2] Anhand dieser Daten lässt sich ablesen welch entscheidende Rolle die Suchmaschinen bei Kaufentscheidungen einnehmen. Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis einer anderen Studie ist, dass 31,8% der Suchmaschinen-Nutzer der Meinung sind, dass Anbieter auf den ersten Rängen der Suchergebnisse zu mehreren Suchanfragen zu einem bestimmten Produkt, seien in diesem Bereich auch die führenden und bekannten Anbieter.

In Anbetracht dieser Ergebnisse wird sehr deutlich, weshalb Suchmaschinen mit Werbung sehr hohe Einnahmen erzielen können. Wenn nach Informationen von Produkten und Dienstleistungen im Internet gesucht wird, stellen die verfügbaren Suchmaschinen ein zentrales Element dar. Für die Anbieter der entsprechenden Produkte und Dienstleistungen ist die Auffindbarkeit ihrer Webseite und ihres Angebots bei der Suchmaschine ein Erfolgsfaktor für ihr Unternehmen.

Quellen

  • Wirtz, B.(2001): Electronic Business; Gabler. Wiesbaden.