Geschichte des WWW

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Inspiration

Tim Berners-Lee, der Schöpfer des WWW, arbeitete 1984 als Programmierer am CERN (Conseil Européen pour la Recherce Nucléaire), einem internationalen Kernforschungsinstitut in der Nähe von Genf in der Schweiz (vgl. Berners-Lee, 1999, S. 28). Dort erkannte er einen Bedarf für ein netzartiges Informations- und Dokumentationssystem (IuD-System, siehe auch Archiv/Bibliothek/Dokumentation), das dazu dienen sollte Beziehungen zwischen Personen, Experimenten und wissenschaftlichen Aufzeichnungen zu dokumentieren, und somit diese Daten übersichtlich zu organisieren und zugänglich zu machen (vgl. S. 32-33).

Aufgrund der Systemvielfalt am CERN war es notwendig ein System mit allgemeinen Regeln zu erstellen, sodass die Wissenschaftler, die das System später benutzen sollten, auch weiterhin ihre Daten in dem von Ihnen gewünschten Format abspeichern konnten.


Die Geburt des Hypertextes

Das Modell, das Berners-Lee für sein „minimalistisches System“ wählte, war Hypertext (vgl. S. 33). Als weitere wichtige Eigenschaft des Systems wurde angestrebt, dass es vollständig dezentralisiert sein sollte. Berners-Lee wollte damit verhindern, dass ein potentieller Nutzer vor Benutzung des Systems eine Zugangserlaubnis erwerben müsste. Zudem wollte er erreichen, dass das System ungehindert wachsen konnte. Dazu musste er die Erstellung eines neuen Knotens im System möglichst einfach gestalten (vgl. S. 34). In den Knoten sollte der Inhalt des Systems bzw. das Wissen gespeichert werden. Jeder Knoten sollte in der Lage sein eine Verknüpfung (siehe auch Link) zu jedem anderen Knoten anzulegen, Berners-Lee (1999, S. 35) : „Dies würde dem System die erforderliche Flexibilität verleihen, und dies wäre der Schlüssel zu einem Universalsystem. Alle Knoten und Dokumente würden im selben Raum existieren – dem Informationsraum.“ Aus informationswissenschaftlicher Sicht wäre Wissensraum jedoch die treffendere Bezeichnung. Das Netzwerk war zwar zunächst als Intranet geplant, doch das Internet, das in den USA entwickelt wurde, bot schon damals eine sehr allgemeine Kommunikationsinfrastruktur, die eine ideale Plattform für Berners-Lee’s hypertextbasiertes IuD-System darzustellen schien (vgl. S. 36).

1989 begann Berners-Lee, nach einigen Startschwierigkeiten am CERN, die Entwicklung eines globalen Hypertext-IuD-Systems auf der Basis des Internets (vgl. S. 41-43).


Erster WWW-Server

1990 war der erste WWW-Server im Internet unter der URL info.cern.ch erreichbar. Dort waren die Spezifikationen von HTTP (Hypertext Transfer Protocol), URI (Uniform Ressource Identifier, später URL) und HTML (Hypertext Markup Language) abgelegt und für jeden einsehbar, sofern er Zugang zum WWW hatte (vgl. S. 53).


Das WWW wächst durch die Einführung von Browsern über die Grenzen des CERN

1991 wurde der erste Webserver außerhalb des CERN von Paul Kunz und Louise Addis am Stanford Linear Accelerator in Palo Alto eingerichtet (vgl. S. 77). Im August 1991 stellte Berners-Lee einen Browser und die Software für WWW-Server im Internet zum Download zur Verfügung und legte Nachrichten in verschiedenen Newsgroups ab, um damit die Verbreitung und Weiterentwicklung des WWW durch die schon bestehende und zudem wachsende Gemeinde des Internets anzukurbeln (vgl. Berners-Lee, 1999, S. 78). Ab diesem Zeitpunkt wuchs das WWW und dessen Usergemeinde schnell. Um die Entwicklung des WWW auch weiterhin von einem neutralen Standpunkt aus verfolgen und vorantreiben zu können, entschied sich Berners-Lee zur Gründung eines neutralen Konsortiums (vgl. Berners-Lee, 1999, S. 130). Dieses Konsortium sollte sich jedoch nicht mehr in Europa sondern in den USA ansässig sein, da sich dort auch das Zentrum des Internets befand.


World Wide Web Consortium

1994 wurde das World Wide Web Consortium (W3C) am Laboratory for Computer Science (LCS) des Massachusetts Institute of Technology (MIT) von Michael Dertouzous, Al Vezza und Tim Berners-Lee gegründet, das bis heute die Weiterentwicklung des WWW aktiv betreibt und fördert, jedoch keine zentrale Kontrollinstitution darstellt, sondern lediglich neue Technologie entwickelt und Standards vorschlägt (vgl. S. 135-137).


Literatur

  • Berners-Lee, Tim (1999). Weaving The Web. Der Web Report. München : Econ Verlag.