Informationsvermittler

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Informationsvermittler oder auch information broker (engl.) bzw. Infobroker (Abk.) sind Personen, die im engeren Sinne Information Retrieval betreiben. Sie recherchieren Information(en) und bereiten diese für einen Verbraucher auf. Aus dem immer größer werdenden Interesse an spezifischer Information ist ein Berufsfeld entstanden. Heute können privatwirtschaftliche und institutionelle Infobroker unterschieden werden. Die Tätigkeitsfelder ähneln sich, sie unterscheiden sich nur darin, dass viele Firmen eigene Retrieval-Abteilungen unterhalten. Die Zahl der frei arbeitenden Infobroker in Deutschland schwankt laut der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis zwischen 100 und 200. Ebenso ist die Zahl der institutuionellen Informationsvermittler sehr gering und beschränkt sich auf eine Gruppe von 1.000 bis 5.000 Personen.

Bevor diese modernen Begriffe eingeführt wurden, haben Bibliothekare oder Archivare in Grundzügen die Arbeit eines Informationsvermittlers ausgeübt. Das Berufsbild des Infobrokers ist sehr unklar definiert. Deshalb tauchen vermehrt synonyme Begriffsbedeutungen auf, die ein und dasselbe Tätigkeitsfeld beschreiben:

  • Information Researcher
  • Informationsmakler
  • Information Dealer
  • Informationsmanager

Aufgaben

Der Infobroker ist dafür zuständig, einen Informationsmangel aufzuzeigen, Informationen zu sammeln, sie zu ordnen und aufzubereiten und seinem Auftraggeber genau und verständlich zur Verfügung zu stellen. Dabei muß sich der Infobroker mit allen gängigen Mitteln zur Informationsbeschaffung auskennen und sich stetig fortbilden. Zum Beruf des Infobrokers gehört auch das Erstellen von Datenbanken, die Vermarktung von Informationsprodukten, Marktanalysen und die Verifizierung von Quellen.

In der heutigen Zeit wird es immer einfacher, an Information zu gelangen. So ändert sich das eigentliche Aufgabenfeld des Informationsvermittlers und sie werden immer mehr eingesetzt, um Informationen zusammen zu fassen, zu strukturieren und Trends zu erarbeiten. Somit reicht es meistens nicht, die reine Informationsdienstleistung anzubieten, Infobroker agieren heute verbreitet als Berater für Unternehmen und Institutionen oder als Dienstleister für Schulungsmaterial.

Fähigkeiten

Information Broker müssen Multitalente sein. Sie müssen mindestens folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Sicherheit beim Retrieval in verschiedenen Systemen
  • analytische Fähigkeiten
  • qualifizierte Recherchestrategien
  • angepasste Aufbereitung von Information(en)
  • Wissen um relevante Quellen (paramedial)
  • fachspezifisches Wissen / Branchenwissen
  • Fremdsprachenkenntnisse
  • Bereitschaft zur Weiterbildung

Tätigkeitsfelder

Das Dienstleistungsangebot und die Einsatzmöglichkeiten eines Informationsvermittlers sind sehr vielfältig und umfangreich. Dazu gehören u.a.:

  • Bibliotheks- und Archivberatung
  • Literaturrecherchen
  • Erstellen von CD-ROMs
  • Erstellen von Gutachten und Sekundäranalysen
  • Datenerfassung
  • Schulungen und Seminare
  • Innerbetriebliches Informationsmanagement

Werkzeuge

Der Broker sucht nach relevanten Daten, um sie für den Kunden profesionell aufzubereiten. Dabei stehen ihm eine rege Zahl an Recherchemöglichkeiten zur Verfügung.

Bibliotheken und Archive

Der Zugang zu Katalogen bietet eine Übersicht über den ganzen Bestand einer Bibliothek. Das Recherchieren in Bibliotheken ist zudem eine sehr kostengünstige Methode. Wichtige Kataloge sind:

  • Die Deutsche Nationalbibliographie (DNB)
  • The British Library General Catalogue of Printed Books
  • Gesamtverzeichnis der Kongressschriften

Patentschriften

Patentschriften sind zuverlässige und effektive Quellen, die häufig von Informationsvermittlern genutzt werden. In sogenannten Auslegehallen, die vom Deutschen Patent- und Markenamt in München und Berlin betrieben werden, kann in alle Arten von Dokumenten eingesehen werden.

On-und Offline-Datenbanken

Die Aufgabe von Datenbanken und ihren Hosts ist es, alle verfügbaren Informationen, die es zu einem bestimmten Fachgebiet gibt, zusammenzutragen, zu speichern und ständig zu aktualisieren. Die Inhalte der Datenbanken sind meist in Rubriken zusammengefasst. Die Schwerpunkte liegen auf den Wirtschaftswissenschaftsdiensten, Pressediensten und auf Recht- und Patentdiensten. Die Nutzung der Datenbanken ist mit Kosten verbunden, die je nach Anbieter und Dokument variieren. Große Datenbankanbieter sind:

  • Genios
  • Juris
  • STN
  • Reuters

Das WWW

Die Suche nach relevanten Informationen im World Wide Web hat den Vorteil, dass weniger Kosten verursacht werden. Aufgrund der Fülle von Daten ist der Aufwand größer, brauchbare Informationen zu finden. Die Recherche im Netz ist hilfreich, um allgemeine Informationen zu Firmen und deren Produkten zu erhalten oder sich einen Überblick über eine Thematik zu verschaffen.

Sonstige Informationsquellen

Daten zu gesellschaftlichen, politischen und auch wirtschaftlichen Fragen erhält der Information Broker beim Statistischen Bundesamt. Ergiebige Quellen sind auch Industrie- und Handelskammer, Branchenverbände, Rundfunkanstalten, Banken etc.

Das Berufsfeld

In Deutschland kann sich jeder Information Broker oder Infovermittler nennen, der mit Informationen handelt, da der Beruf nicht geschützt ist. Um aber eine gewisse Qualität nachzuweisen, sind verschiedenen Organisationen entstanden, deren Mitglieder für ein Mindestmaß an Qualität bürgen. Information Broking kann man nicht als Beruf lernen, man kann damit seine Ausbildung ergänzen. Studiengänge wie Informationswirt oder Informationswissenschaft schaffen eine gesunde Grundlage.

Literatur

Bachmann, Jutta: Der Information Broker – Informationen suchen, sichten, präsentieren. Addison-Wesley, 2000, ISBN 3827317037

Schmitz, Michael: Information –Broking & -Retrieval. Kai Hamann (Hg.).Tewi Verlag, 1996, ISBN 3893624872

Kuhlen, Rainer: Informationsmarkt. Chancen und Risiken der Kommerzialisierung von Wissen. Schriften zur Informationswissenschaft Vol. 15. Universitätsverlag Konstanz (UVK), 1995, ISBN 387940528X

Weblinks