Funk/Fernsehen und das WWW

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Kein Medium hat sich in Deutschland so schnell verbreitet wie das Internet. Im Jahre 2004 waren 55,3 % der deutschen Erwachsenen online – damit hat sich die Nutzerzahl seit 2000 nahezu verdoppelt. Im Folgenden soll dargestellt werden, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die traditionellen Medien Hörfunk und Fernsehen hat.

Fernsehen / Hörfunk und das Internet – Konkurrenz oder Komplement?

Internet verdrängt Fernsehen und Hörfunk nicht

Nach Ergebnissen der ARD/ZDF-Online-Studie 2004 ist die Internetnutzungszeit der Deutschen im Jahre 2004 erstmals gesunken. Erwachsene verbringen im Schnitt 43 Minuten (45 Minuten im Jahre 2003) pro Tag im Internet. Dagegen steigt der Fernsehkonsum seit 1997 an (221 Minuten im ersten Halbjahr 2003; 230 Minuten im ersten Halbjahr 2004), während die Radionutzung mit täglich 196 Minuten stabil bleibt. Eine Verdrängung des Fernsehens oder des Hörfunks durch das Internet findet gegenwärtig also nicht statt.

Stattdessen bestätigen die Daten das so genannte Komplementaritätsgesetz der Mediengattungen, welches besagt, dass ein neues Medium ein altes nicht verdrängt, sondern ergänzt.

Unterschiedliche Nutzungsmotive für Fernsehen, Hörfunk, Internet

Die nicht stattfindende Verdrängung von Hörfunk und Fernsehen durch das Internet kann damit begründet werden, dass Fernsehen, Radio und das Internet jeweils unterschiedliche Bedürfnisse bedienen.

Das Internet erfüllt nach Ergebnissen der ARD/ZDF-Online-Studie 2003 besonders rational-kognitive Funktionen für die Nutzer („um Denkanstöße zu bekommen“, „um mich zu informieren“ und „um mich besser im Alltag zurechtzufinden“ sind die meistgenannten Nutzungsmotive für das Internet), das Fernsehen gleichermaßen kognitive und emotionale Funktionen („um Spaß zu haben“, „um den Alltag zu vergessen“, „wenn ich mich alleine fühle“ und „aus Gewohnheit“ werden hier am häufigsten als Motive genannt), während das Radio das emotionalste Medium ist (hier ist das mit Abstand meistgenannte Nutzungsmotiv „um mich zu entspannen“, während rational-kognitive Funktionen im Vergleich zu Internet und Fernsehen nur eine geringe Bedeutung haben).

Onlineangebote der Fernseh- und Hörfunksender

Marken- und Erwartungstransfer von der Offline- in die Onlinewelt

Fast zwei Drittel der Internetnutzer erwarten nach Ergebnissen der ARD/ZDF-Online-Studie 2004 von den Medienanbietern (Fernsehen, Hörfunk, Printmedien) ein eigenständiges Onlineangebot. Dabei zeigen sich Markentransfer-Effekte von den traditionellen Medien zu deren Internetangeboten: Das Markenimage der Fernseh- und Radiosender veranlasst viele Nutzer, ihre Websites zu besuchen. 69 % der Internetnutzer haben bereits einmal das Webangebot eines Fernsehsenders besucht, 40 % das eines Radiosenders.

Von den Onlineangeboten von ARD und ZDF wird neben der Programmbegleitfunktion in erster Linie Information erwartet. Besonders für die ARD findet hier ein Image- und Erwartungstransfer von ihren Fernseh- und Hörfunkangeboten auf den Online-Auftritt statt. Demgemäß wird von den Webangeboten der Landesrundfunkanstalten auch ein starker Regionalbezug erwartet.

Von den Internetauftritten kommerzieller Fernseh- und Hörfunksender hingegen werden wegen ihres Unterhaltungsprofils hauptsächlich Begleitung und Ergänzung ihrer Unterhaltungsformate erwartet und dementsprechend genutzt. (vgl. Oehmichen/Schröter, 2001)

Mehrwert statt Eins-zu eins-Übersetzung

Statt einer einfachen Eins-zu-eins-Übersetzung der Offline-Angebote wird von den Online-Auftritten der Fernseh- und Hörfunksender ein Mehrwert erwartet. Die Sender können diesen bieten, indem im Internet Einbettung, Kontextbezug und Tiefe hergestellt und die Flüchtigkeit der audiovisuellen Informationen, wie sie bei der Offline-Darbietung gegeben ist, aufgefangen wird (vgl. Oehmichen/Schröter, 2001). Multimediale Anwendungen im Internet bieten den Vorteil der zeitlichen und örtlichen Unabhängigkeit, so dass der Nutzer zum Beispiel zeitversetzt von der Fernsehausstrahlung eine Nachrichtensendung im Internet abrufen kann. Zukünftig könnte zudem verstärkt von den Möglichkeiten der Interaktivität des Web Gebrauch gemacht werden, um einen direkten Kontakt zum Nutzer herzustellen, wobei sich heute bereits entsprechende Tendenzen in den Bereichen Service und Unterhaltung zeigen (vgl. Oehmichen/Schröter, 2001).

Radio- und Fernsehnutzung über Internet

Radio

Neben Internet-Broadcastern, die entweder nur im Internet senden oder zumindest die Erstverwertung ihrer Programme im Internet durchführen, nutzen auch zahlreiche konventionelle Hörfunk-Sender das Internet als alternative Übertragungstechnik für eine Zweitverwertung ihrer Programme. Neben der Live-Übertragung des aktuellen Programms via Streaming können häufig auch früher gesendete Beiträge zeitversetzt abgerufen werden.

Nach Ergebnissen der ARD/ZDF-Online-Studie 2004 hören 16% der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahre live im Internet Radio, wobei die Nutzungshäufigkeit gering ist (nur 6% mindestens einmal in der Woche). 10% rufen Radiosendungen zeitversetzt im Internet ab.

Fernsehen

Nur 5% schauen nach Ergebnissen der ARD/ZDF-Online-Studie 2004 live im Internet Fernsehen (nur 1 % wöchentlich). Die Angebote hierfür sind gering und es ergeben sich gegenüber herkömmlichem Fernsehen kaum Vorteile. Die Möglichkeit eines zeitversetzten Abrufs von Fernsehsendungen nutzen 7 %.


Links zu Websites von Fernseh- und Hörfunksendern

Quellen

  • Oehmichen, Ekkehardt; Schröter, Christian (2001): Information: Stellenwert des Internets im Kontext klassischer Medien. In: Media Perspektiven 8/2001, S. 410-421
  • van Eimeren, Birgit; Gerhard, Heinz; Frees, Beate (2003): ARD/ZDF-Online-Studie 2003 (Internetverbreitung in Deutschland: Unerwartet hocher Zuwachs). In: Media Perspektiven 8/2003, S. 338-358
  • van Eimeren, Birgit; Gerhard, Heinz; Frees, Beate (2004): ARD/ZDF-Online-Studie 2004 (Internetverbreitung in Deutschland: Potenzial vorerst ausgeschöpft?). In: Media Perspektiven 8/2004, S. 350-370
  • Wikipedia-Artikel „Internetradio“. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Internetradio (zuletzt besucht am 07.03.2005)