Katalogisierung

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Definition

Bei der Katalogisierung oder Bestandeserschliessung wird ein Medium nach formalen Kriterien beschrieben und dieser Beschrieb wird in den Katalog aufgenommen. Wichtige Begriffe sind dabei die Formal- und die Sacherschliessung. Die Katalogisierung kann in verschiedenen Bibliotheksverwaltungsprogrammen (z.B. ALEPH) und nach verschiedenen Regeln (z.B. KIDS) erfolgen. Bei Beständen, die schon lange in der Bibliothek vorhanden sind, jedoch erst im Nachhinein in den Katalog aufgenommen werden, spricht man von Rekatalogisierung.

Formalerschliessung

Bei der Formalerschliessung handelt es sich um die Katalogisierung zum Zweck des Nachweises eines Mediums im Katalog. Dies umfasst die Beschreibung des Mediums (bibliografische Beschreibung) und die Festlegung der formalen Merkmale bzw. Suchbegriffe, d.h. der Name und/oder Sachtitel, unter denen die Katalogisate einzuordnen sind. Die Titelaufnahme bezeichnet den Vorgang und das Ergebnis der Formalerschliessung. Alle bibliografisch wichtigen Merkmale werden aufgenommen. Bei einem Buch nutzt man dazu das Titelblatt und Impressum, in einzelnen Fällen auch andere Stellen des Buches oder sogar externe Quellen. Alle Katalogisate haben eine bestimmte Struktur vorgegeben, was zur Einheitsaufnahme dient. Gemäss der Vorgaben der International Standard Bibliographic Description (ISBD) ist die Struktur einer Aufnahme folgendermassen gegeben:

  • Sachtitel- und Verfasserangabe
  • Ausgabebezeichnung
  • Erscheinungsvermerk (Ort, Verlag, Jahr)
  • Kollationsvermerk (Umfang, Ill. u.a.)
  • Gesamttitelangabe (Reihen)
  • Fussnoten
  • ISBN bzw. ISSN
  • Aufführung der einzelnen Bände

Sacherschliessung

Bei der Sacherschliessung geht es um die inhaltliche Beschreibung eines Mediums. Zu unterscheiden gibt es hier die verbale Sacherschliessung, die natürliche Wörter (Schlagwort oder Stichwort) verwendet und die klassifikatorische Sacherschliessung, die sich auf ein Klassifikationssystem mit hierarchisch geordneten Systemstellen bezieht. Um die verbale Sacherschliessung eines Mediums vornehmen zu können, bedarf es einem gewissen Mass an Allgemeinbildung, Kenntnisse der Wissenschaftskunde und je nach dem Spezialisierungsgrad eine fachwissenschaftliche Ausbildung. Bei der Schlagwortvergabe wird Folgendes durchgeführt:

  • Der Inhalt eines Mediums muss festgelegt werden (Inhaltsanalyse)
  • Der Inhalt muss in einem oder mehreren Schlagwörtern erfasst werden (Begriffsfindung)
  • Die Begriffe müssen regelrecht angesetzt werden (Schlagwortbildung)
  • Das verwendete Vokabular muss kontrolliert und Mehrdeutigkeiten vermieden werden (Terminologische Kontrolle)

Um bei der Schlagwortvergabe zu vermeiden, dass diverse Synonyme verwendet werden, wird die Schlagwortnormdatei verwendet. Diese verknüpfen die einzelnen Synonyme und zeigen im Katalog jeweils nur ein Synonym an. Schlagwörter sind meist in einzelne Kategorien aufgeteilt, wie Personen-, Geographische-, Sach-, Zeit- und Formschlagwörter. Für die klassifikatorischen Sacherschliessung gibt es verschiedene Klassifikationssysteme, wie Systematiken, Dezimalklassifikationen, die Regensburger Verbundklassifikation, die Allgemeine Systematik für Öffentliche Bibliotheken und die Klassifikation für Allgemeinbibliotheken.

Datenformat

Damit die Bibliothekssoftware die Titeldaten korrekt verarbeiten und anzeigen kann, benötigt die Titelaufnahme eine klare Strukturierung. Jeder Datensatz wird in einzelne Felder aufgeteilt, die ihren klaren Platz in der Aufnahme und später in der Anzeige im OPAC haben. In der Schweiz ist dieses Datenformat in den meisten Bibliotheken MARC21.

MARC21.jpg

Regelwerke

Viele heutige Regelwerke leiten sich von den Anglo-American Cataloguing Rules 2 (AACR2) ab, welche 1978 festgelegt wurden. Die AACR2 selbst werden in über 50 Länder angewendet. In Deutschland wurden Ende der 1960er Jahre die Regeln für die alphabetische Katalogisierung entwickelt (RAK). Es gibt die RAK-WB für wissenschaftliche Bibliotheken und die RAK-ÖB für die öffentlichen Bibliotheken. 2001 wurde entschieden, dass man ebenfalls auf internationale Regelwerke wie die AACR2 umsteigen sollte. In der Schweiz wurden diverse Abwandlungen der VSB-Regeln angewendet. Seit 1999 haben sich die Verbundkataloge auf den Umstieg auf AACR2 geeinigt. Diese beinhalten die KIDS (Deutschschweiz), Récaro (Westschweiz) und die CATS (Schweizerische Nationalbibliothek).

Quellen

  • Rautenberg, Ursula (2003): Reclams Sachlexikon des Buches. Stuttgart: Reclam.
  • Gantert, Klaus, Hacker, Rupert (2008): Bibliothekarisches Grundwissen. München: Saur.
  • Informationsverbund Deutschschweiz (2014): Archiv: Dokumente auf Deutsch. Abrufbar unter: http://www.informationsverbund.ch/832.0.html?&L=1 [02.12.2014].

Weiterführende Literatur

  • Chambers, Sally (2013): Catalogue 2.0: The future of the library catalogue. London: Facet Publishing.

Weblinks

Verwandte Begriffe