Medienethik

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Die Medienethik ein Teilgebiet der Ethik. Sie untersucht "[…] den Zusammenhang zwischen medialem Ausdruck und menschlichem Verhalten […]"(vgl. Wiegerling, 1998, S.1-3). Professor Dr. Klaus Wiegerling versteht den Begriff der Medienethik als eine Disziplin die versucht medienbedingtes Verhalten auf seine Verantwortlichkeit zu untersuchen (Wiegerling, 1998, S. 1?3). Bei der Medienethik rücken die Medien und deren Auswirkung auf das menschliche Verhalten in den Fokus. Die Medienethik hat die Aufgabe "[…]. Regeln für ein verantwortliches Handeln in der Produktion, Distribution und Rezeption von Medien zu formulieren und zu begründen […]" (vgl. Schicha, 2003).

Einordnung und Abgrenzung

Die Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie, die Medienethik eine angewandte Form der Ethik. Die Angewandten Ethiken sind insbesondere von Bedeutung, wenn sich neue Handlungsmöglichkeiten und Bewertungsprobleme ergeben, aufgrund neuer wissenschaftlich-technischer Entwicklungen für welche die allgemeine, theoretische Ethik keine ausreichenden und trennscharfen Kriterien bereithält (Nida-Rümelin, 1996, S.63ff). Die Forderung nach expliziter Medienethik sehen diejenige welche im ständig wachsenden Informations-und Unterhaltungsangebot neben Chancen auch Gefahren für die einzelnen Individuen sehen. Die Empirie hat dabei die Rolle die Gefahren und Chancen zu identifizieren welche sich konkret für bestimmte Bevölkerungsgruppen bestehen. Die Ethik verweist auf die Grundbedingungen des Humanen wie beispielsweise auf das Schutzbedürfnis von Heranwachsenden um damit Gefahren zu minimieren und Chancen zu nutzen(vgl. Rath, 2000).

Übersicht der Disziplinen: Einordnung Medienethik (vgl. Nida-Rümeling, 1996)[1]

Um die Begriffe Medienethik und Informationsethik voneinander abzugrenzen werden die beiden Begriffe einander gegenübergestellt. Wie zuvor beschrieben hat die Medienethik die Moral der Medien und die Moral in den Medien zum Gegenstand. Es werden die Arbeitsweisen der Massenmedien sowie auch die Verhaltensweisen der Benutzer in den sozialen Medien untersucht. Zudem rücken die Automatismen und Manipulationen durch Technologien in den Fokus. Die Informationsethik hingegen untersucht die Informationsgesellschaft und wie sich deren einzelnen Mitglieder in moralischer Hinsicht verhalten sollen (Bendel, 2014).

Aufgaben von Medienethik

Die Aufgaben der Medienethik sind Regeln für "[…] ein verantwortliches Handeln in der Produktion, Distribution und Rezeption von Medien zu formulieren und zu begründen“( Schicha, 2003). Das Ziel ist daraus ethisch gebotene Verpflichtung für Berufsgruppen, Branchen und Individuen zu bewerkstelligen die am Medienprozess beteiligt sind. Zudem wird die Medienethik […]" zur Sensibilisierung und Verantwortungszuschreibung herangezogen, um Defizite im Bereich der Medienangebote, der Mediennutzung sowie der Programminhalte aufzuzeigen“ (Schicha, 2003).

Dimensionen der ethischen Verantwortung

In der Medienethik gibt es verschiedene Bezugsebenen der ethischen Verantwortung. Dabei wird zwischen zwei verschiedenen theoretischen Ansätzen und Zugangsweisen unterschieden: Der normativontologische Diskurs und der systemtheoretische Diskurs. Der normativontologische Diskurs versucht allgemeingültige Massstäbe wie beispielsweise die Werte wie Wahrheit und Freiheit am konkreten individuellen Handeln oder Unterlassen festzumachen. Der Blickwinkel beim Systemtheoretischen Ansatz fokussiert sich im Gegensatz zum normativontologischen Ansatz nicht auf das Individuum sondern betrachten die Medien als Teil der gesellschaftlichen Systematik. Innerhalb dieser beiden Diskurse, gibt es wiederum vier verschiedene Ansätze, die die verschiedenen Aspekte unter unterschiedlichen Blickwinkel betrachten (Schicha, 2003):

Individualistische Maximen

Die individualistischen Maximen werden als Verhaltensregeln für Individuen definiert. Es werden allgemeine moralische Gewissensnormen des Individuums vorausgesetzt. Übertragen auf Medienschaffende wäre die beispielsweise die Verantwortung die jeder einzelne Journalist für seine Berichterstattung trägt (Schicha, 2003).

Professionsethische Massstäbe

Professionsethische Massstäbe sind beispielsweise Berufsnormen oder Berufscodes für Medienschaffende. Also eine Art ethischer Verhaltenscodex das zur Selbstkontrolle und kritischen Selbstreflexion der Medienschaffenden dient um die von ihnen produzierten Inhalte kritisch zu hinterfragen und deren moralisches Handeln zu gewährleisten(vgl. Teichert, 1996).

System-bzw. Institutionsethik

Hierbei geht es um die ethische Verantwortung von Medienunternehmen (und nicht nur um die ethische Verantwortung einzelner Medienschaffenden). Bei diesem Ansatz wird die ethische Verantwortung von Gesetzgeber, Medieneigner und Medienmitarbeiter untersucht (vgl. Rühl/Saxer, 1991).

Publikumsethik

Bei der Publikumsethik rückt die Verantwortung der Rezipienten in den Mittelpunkt. Es geht dabei um die mündigen Zuschauer, welche durch die Verweigerung der Rezeption von moralisch fragwürdigen Programminhalten dazu beitragen soll, die Qualität der Programminhalte auf dem Mediensektor anzuheben (vgl. Funiok 1996).

Medienethisches Handeln

Es lassen sich sechs medienethische Inhalte voneinander abgrenzen, bei welchen die Bedingungen für ethisches Handeln mit unterschiedlichen Reichweiten angesiedelt sind (vgl. Thomas 2002):

Metaethische Ebene

Bei der metaethischen Ebene geht es um die grundlegenden ethischen Prinzipien wie beispielsweise Freiheit und Verantwortung. Sie sind von Bedeutung um eine unabhängige und ethisch angemessene Berichterstattung zu gewährleisten (vgl. Thomas, 2002).

Medienpolitischen Ebene

In der medienpolitischen Ebene wird der Rahmen festgelegt, in welchem sich die Mediensysteme und Medienunternehmen organisieren. Hier wird z.B. geregelt ob die Informationsfreiheit das Zeugnisverweigerungsrecht einschließt oder nicht (vgl. Thomas, 2002).

Organisationsebene

In der Organisationsebene werden die Rechte und Pflichten von Medienschaffen innerhalb des Unternehmens thematisiert. Dabei geht es konkret darum, was in den einzelnen Unternehmen zu Tun bzw. zu Unterlassen ist (vgl. Thomas, 2002).

Berufsbezogene Ebene

Auf dieser Ebene geht es um die allgemeinen normativen Ansprüche an berufsbezogenes Handeln. Es werden die Berufsnormen an sich untersucht und formuliert. Diese berufsbezogene Ebene kann je nach dem in Konflikt zur Organisationsebene stehen (vgl. Thomas, 2002).

Personalen Ebene

Diese Ebene stellt das ethische Handeln und die ethische Verantwortung von einzelnen Personen, wie beispielsweise von einzelnen Medienschaffenden und Rezipienten in den Mittelpunkt (vgl. Thomas, 2002).

Quelle

  • Funiok, Rüdiger (Hrsg.)(1996): Grundfragen der Kommunikationsethik. Konstanz.
  • Rath, Matthias (2000): Kann denn empirische Forschung Sünde sein? Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. In Rüdiger Funiok (Hrsg.): Medienethik. Wertediskurs über Medien ist unverzichtbar. Verfügbar unter: http://www.bpb.de/apuz/25396/medienethik?p=1 [03.12.14].
  • Rühl, Manfred / Saxer, Ulrich (1991): 25 Jahre Deutscher Presserat. Ein Anlaß für Überlegungen zu einer kommunikationswissenschaftlichen Ethik des Journalismus und der Massenkommunikation. In: Publizistik 26/1981, S. 471-507.
  • Schicha, Christian (2003). Medienethik und Medienqualität. In Zeitschrift für Kommunikationsökologie 2/2003 (Hrsg.), S. 44-53.
  • Teichert, Will (1996): Journalistische Verantwortung: Medienethik als Qualitätsproblem. In: Nida-Rümelin, Julian (Hrsg.): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Stuttgart, S. 750-777.
  • Thomas, Barbara (2002): Berufliche Sozialisation und die Ethik der Medienmacher im internationalen Vergleich. In: Mattias Karmasin (Hrsg.): Medien und Ethik. Stuttgart: Springer Verlag.


Weiterführende Literatur

  • Bormann von, Claus (1973): Kritik. In Hermann Krings; Hans Michael Baumgartner; Christoph Wild (Hrsg.): Handbuch philosophischer Grundbegriffe. In Horst Niesyto; Matthias Rath; Hubert Sowa (Hrsg.): Medienkritik heute. Grundlagen, Beispiele und Praxisfelder (S.77). München: Kopaed.
  • Ganguin, Sonja; Sander, Uwe (2005): Medienökologie. In Lothar Mikos; Claudia Wegener (Hrsg.): Qualitative Medienforschung. Grundlagen. Konstanz: UVK, S.130-140.
  • Innis, Harolds (1951): The bias of Communication. In Horst Niesyto; Matthias Rath; Hubert Sowa (Hrsg.): Medienkritik heute. Grundlagen, Beispiele und Praxisfelder(S.55). München: Kopaed.
  • Karmasin, Matthias (1999): Medien. Im Auftrag der Görres-Gesellschaft von Wilhelm Korff u. a.(Hrsg.): Handbuch der Wirtschaftsethik. Ausgewählte Handlungsfelder, Bd. 4:, Gütersloh: Verlagsgruppe Random House Bertelsmann, S. 351-381. In Rüdiger Funiok (Hrsg.): Medienethik. Wertediskurs über Medien ist unverzichtbar. Verfügbar unter: http://www.bpb.de/apuz/25396/medienethik?p=2 [10.12.14].
  • Lüscher, Kurt; Wehrspaun, Michael (1985): Medienökologie. Der Anteil der Medien an userer Gestaltung der Lebenswelten. In Zeitschrift für Sozialforschung und Erziehungssoziologie. In Horst Niesyto; Matthias Rath; Hubert Sowa (Hrsg.): Medienkritik heute. Grundlagen, Beispiele und Praxisfelder(S.84). München: Kopaed.
  • Moser, Heinz (2000): Einführung in die Medienpädagogik. Aufwachen im Medienzeitalter. In Horst Niesyto; Matthias Rath; Hubert Sowa (Hrsg.): Medienkritik heute. Grundlagen, Beispiele und Praxisfelder (S.79). München: Kopaed.

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